Das Rodauer Lautenbuch – ein interdisziplinäres Projekt (Koordination: Andreas Schlegel)

Das Rodauer Lautenbuch befand sich bis Ende 2016 in Privatbesitz in Thüringen, wurde aber vom damaligen Besitzer verdankenswerterweiseder Forschung zugänglich gemacht. Darüberhinaus hat der Besitzer eingewilligt, dass diese Quelle im Internet anzuschauen und herunterzuladen ist. Dafür möchten alle am Projekt beteiligten Forscher herzlich danken! Seit Dezember 2016 befindet sich das Manuskript in der Bibliothek von Matthias und Christine Schneider in Frankfurt unter der Signatur Ms. 45.

Das Rodauer Lautenbuch befindet sich in einem schlechten Zustand: Es fehlen ganze Lagen und Einzelseiten. Ein Feuchtigkeitsschaden (Bier oder Wasser) haben dem Manuskript arg zugesetzt. Auch hat der Tintenfrass seine Spuren hinterlassen. Trotzdem handelt es sich um eine aussergewöhnliche Quelle. Sie umfasst:
• 15 ganzseitige Tuschzeichnungen in aussergewöhnlicher Qualität
• Sprüche, teilweise kalligraphisch gestaltet
• 21 vollständig erhaltene Musikstücke für 11-chörige Laute im Vieil ton (Griffsaiten nach Traficante ffeff; z.B. g1 d1 a f c G), notiert in französischer Lautentabulatur mit italienisch notierten Bässen sowie 3 Fragmente wegen fehlender Blätter. Die 21 vollständig erhaltenen Stücke enthalten
• 7 Werke mit Instrumentalmusik
• 14 intavolierte Lieder: 5 Lieder bekannter Autoren, die überwiegend der Opitz-Nachfolge zuzurechnen sind:
George Christoph von Gregersdorff (Nr. 10: O du Göttin dieser Erden; Nr. 14: Jetzund kommt die Zeit heran),
Ernst Christoph Homburg (Nr. 28: Ei wohlan, so hab ich doch; vertont von Andreas Hammerschmidt),
Philipp von Zesen (Nr. 30: O Echo, wo soll man dich finden?) und möglicherweise
David Schirmer (Nr. 33: Funkelt ihr guldene)
sowie 8 Liedern anonymer Verfasser, welche im ganzen 17. Jahrhundert in notenlosen Liedflugschriften und Liederbüchern überliefert wurden. Ausserhalb dieser zwei Gruppen steht Johann Hermann Schein (Nr. 32: Phyllis, die schöne Schäferin).

Die bisherigen Forschungsresultate lassen eine Datierung der Niederschrift des Hauptschreibers und -zeichners im Zeitrahmen von 1644 bis mindestens 1651 zu.

Sinn dieser Veröffentlichung ist es auch, Forschern Gelegenheit zur Mitarbeit zu geben. Die Koordination der Forschung obliegt Andreas Schlegel. Interessierte mögen sich bitte mit ihm in Verbindung setzen. Besten Dank!

Online-Faksimile des Rodauer Lautenbuchs