„La Rhétorique des Dieux“: 30 Jahre Forschung

Eine kurze Einführung (Andreas Schlegel)

Die Rhétorique des Dieux (D-Bkk 78.C.12) ist eine der spektakulärsten Quellen mit französischer Lautenmusik aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Laut Vorrede ist die Handschrift der Musik von Denis Gaultier gewidmet und wurde für 12 Sektionen mit Bezeichnungen für die Modi nach Zarlino (inkl. Aeolisch und Ionisch) mit je einem Prélude und acht Stücken ausgelegt.
Im Mai 1987 reichte ich meine erste Arbeit über die Rhétorique mit dem Titel „Der Codex Hamilton als periphere Quelle der Werke Denis Gaultiers“ am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel ein. Ich hatte damals entdeckt, das in diesem Pergamentcodex Papierblätter eingeschoben sind, welche die Ordnung und die Einheitlichkeit des Buches stören und im Vorwort nicht erwähnt werden. Neben weiteren Abweichungen gegenüber dem Vorwort und dem Fakt, dass nur knapp zwei Drittel der für Musikeintragungen vorbereiteten Seiten Tabulatur enthalten, stellte ich durch Konkordanz-Vergleiche fest, dass die in die Rhétorique eingetragenen Stücke oftmals singuläre Varianten darstellen. Zudem wurden sie von zwei Notatoren eingetragen: Notator A und Notator B.
Seit dieser Arbeit versuche ich, die Geheimnisse der äusserst komplexen Entstehungsgeschichte der Rhétorique zu lüften. Dabei wurde die Zusammenarbeit mit François-Pierre Goy zu einem Schlüssel zum Erfolg.

Robert Spencer gab François-Pierre Goy und mir wohl 1989 eine Kopie einer damals in seinem Besitz befindlichen Handschrift, welche heute als Manuskript 12 in der Privatbibliothek von Matthias Schneider liegt (D-Fschneider Ms. 12). Dieses Manuskript enthält Eintragungen von Notator B der Rhétorique. 2008 gab Matthias Schneider sein Einverständnis zu einer Edition aller Werke in der Hand von Notator B. Durch die gründliche Erforschung der weiteren Quellen (siehe B-Bc FA VI 10 auf dieser Homepage) und der Biographien der an der Rhétorique beteiligten Personen wuchs das Projekt stetig an. Mittlerweile befinden wir uns in der Phase, in welcher wir die definitive Form der Publikation festlegen und die Resultate der Forschung möglichst übersichtlich darstellen müssen. Dieses Ausarbeiten wird noch Zeit beanspriuchen, so dass sich François-Pierre Goy und ich uns entschlossen, den Zwischenbericht, den wir am Festival der Laute am 1. Juni 2013 in Bremen als Vortrag abgeliefert haben, hier zu publizieren.

Seit diesem Vortrag sind weitere, ganz wesentliche Entdeckungen dazugekommen (z.B. die Identifikation von Montarcis). Wir haben uns entschieden, diese Neuerungen jeweils kurz im damaligen Vortragstext an entsprechender Stelle mit „Ergänzung 2016“ und kursivem Text anzumerken.