Die Theorbenzister

Aufbau:
A Einführung: Terminologie und Geschichte
B Instrumente
C Die Musik
D Zeitlicher Überblick: Ikonografische, musikalische und literarische Quellen und deren Inhalt, chronologisch geordnet

Meine Quellen:
Die hervorragenden Arbeiten von Andreas Michel seien hiermit sehr empfohlen! Ich beziehe mich zu einem grossen Teil auf Quellenangaben, die ich seinen Schriften bzw. seiner
Homepage entnommen habe. Ich habe gegenüber diesen Quellen einige Ergänzungen und Korrekturen vorgenommen und sie vor allem in „meine“ Form gebracht, damit eine schnelle Übersicht über das heutige Wissen entstehen kann.

A Einführung: Terminologie und Geschichte

Theorbenzister
Der Begriff „Theorbenzister“ ist modern und bezeichnet alle Zisterarten mit einer Theorbierung. „Zister“ mit „Z“ meint ein Instrument aus der Cister-Familie mit einer offenen Stimmung ohne einen „re-entrant“-Chor - also eine Oktave „versetzt“ gestimmten Chor. Diese „normalere“ Art, ein Cister-Instrument zu stimmen, ist seit dem 18. Jahrhundert zu beobachten. Dies im Gegensatz zu den älteren Cister-Instrumenten mit „C“, welche über eine re-entrant-Stimmung verfügen.

Sächsische Theorbenzister
Weil in Sachsen eine eigene Form „mit zweifach eingezogener Oberflanke und der über dem Unterklotz eingeschnürten Unterflanke“ (Michel 1999) entstanden ist, wird dieser spezielle Zistertyp als „Sächsische Theorbenzister“ bezeichnet, obwohl der bekannteste Hersteller in Nürnberg gewirkt hat (siehe unten, Instrumente).

Französische Theorbenzister

Abgrenzung zu theorbierten Cister-Typen (Ceterone, „Dominici Zwölf Chörichte Zither“)
Die in Pretorias, Syntagma Bd. 2, Tafel VII abgebildete und auf S. 55 behandelte „Dominici Zwölf Chörichte Zither“ weist wohl auf den Spielchören eine zeitgenössische Stimmung mit re-entrant-Stimmung auf und ist somit eine Theorbencister mit „c“ statt „z“.
Die im 1615 erschienenen Druck von Monteverdis Orfeo verlangte Ceterone und die 1616 in Melii verlangte „citara theorbata“ sind ebenfalls der Cister-Familie zuzuschreiben.

Historische Bezeichnungen
Das Manuskript PL-Kj 40145, in dem das Instrument eindeutig benannt wird, spricht von einer „dreizehnchorichte Zither“ (Fol. 1r) und weiter hinten von einer „Mandorina“ (Fol. 96v).
In den „Nürnbergischen wöchentlichen Frag- und Anzeigenachrichten“ wird erwähnt:
am 8. Juni 1784 „eine Kramerische Mantor Cithare“,
am 17. Juni 1785 „eine gute fast noch ganz neue Kramische Mentor = Quitare, nebst Noten = Büchern“,
am 17. März 1786 „eine fast noch ganz neue Mandor=Cithar von Kram“,
am 1. Juni 1787 „eine Kraniche MandorCittar“,
am 7. September 1787 „eine Kramerische MantorZithar“,
am 19. Januar 1790 „eine schöne Manthorcithar von Kram, 1762“,
am 20. August 1793 „eine noch wol beschaffene Mantor Quitarre von Kram“.

B Instrumente

Sächsische Theorbenzister (4x2 / 9x1 = 13 Chöre, gestimmt laut PL-Kj 40145 in g1 e1 c1 g / f e d c H A G F C; jedoch auch 12-chörige Instrumente bekannt)
Signierte Instrumente:
Es sind ausser beim ersten Instrument ausschliesslich signierte und datierte Instrumente aufgenommen.
vor 1743: Vogl, Johann Christian, Eppendorf (München, BNM Mu 4). Das Datenblatt des BNM gibt von Michel abweichende Angaben an.
1755: Klemm, Johann Gottfried (jun.) (Leipzig, Musikinstrumenten-Museum der Universität, Inv.-Nr. 632)
1756: Klemm, Johann Gottfried (jun.) (Den Haag, Gemeentemuseum)
1760: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Braunschweig, Städtisches Museum, Inv.-Nr. Ck. 58))
1764: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Nürnberg, GNM, Inv.-Nr. MI 64)
1767: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Frankfurt, Historisches Museum, Inv.-Nr. 54)
1768: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Berlin, MIM, Inv.-Nr. 4080)
1768: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Meiningen, Sammlung Musikgeschichte der Meininger Museen / Max-Reger-Archiv, Inv.-Nr. M 6)
1770: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Willisau, Musikinstrumentensammlung, Inv.Nr. 43)
1770: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Basel, HMB, Musikmuseum, Inv.Nr. 1879.58)
1772: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (Nürnberg, GNM, Inv.-Nr. MIR 849)
1781: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (München, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 10206)
1785: Kram, Andreas Ernst, Nürnberg (ehemals Sammlung Paul de Wit)

Besaitung gemäss PL-Kj 40145, Fol. 96v:
1. Chor: „No. 8. vom Stahl“
2. Chor: „No. 6. vom Stahl“
3. Chor: „No. 4. von Mößing“
2. Chor: „No. 2. von Mößing“
1. Bass-Chor (5. Chor): „No. 4 von Mössing“
2. Bass-Chor (6. Chor): „No. 3 von Mössing“
3. Bass-Chor (7. Chor): „No. 2 von Mössing“
„Der 4te, 5, 6, 7, 8 und 9te Bass müssen mit Silber übersponnene Saiten seÿn, und zwar von der klärsten bis zur gröbsten, wie bei andern kann gesehen werden.“
Mit den Nummern sind die Arbeitsgänge des Zieheisen gemeint: Je höher die Zahl, desto öfters wurde der Draht gezogen und ergo dünner gemacht.
Die genauen Durchmesser sind schwierig zu eruieren und in der Fachliteratur umstritten. Die Tabelle nach Klaus Scholl: Nürnberger Saitendraht, die Besaitungspläne des Claas Douwes und die Besaitung von Virginalen der Ruckers, in:
http://www.vogel-scheer.de/pdf/Info-Douwes-Ruckers.pdf

gibt folgende „fiktive Saitenstärketabelle“ für Nürnberger Drähte:
für Stahl:
Drahtnummer 12 entspricht 0,163 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 11 entspricht 0,185 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 10 entspricht 0,210 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 9 entspricht 0,238 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 8 entspricht 0,270 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 7 entspricht 0,306 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 6 entspricht 0,347 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 5 entspricht 0,394 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 4 entspricht 0,447 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 3 entspricht 0,507 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 2 entspricht 0,575 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 1 entspricht 0,652 mm Drahtdurchmesser
für Messing:
Drahtnummer 12 entspricht 0,153 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 11 entspricht 0,174 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 10 entspricht 0,197 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 9 entspricht 0,223 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 8 entspricht 0,253 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 7 entspricht 0,287 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 6 entspricht 0,326 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 5 entspricht 0,370 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 4 entspricht 0,419 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 3 entspricht 0,476 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 2 entspricht 0,540 mm Drahtdurchmesser
Drahtnummer 1 entspricht 0,612 mm Drahtdurchmesser

Es existieren weitere Systeme und Masse für andere Herstellungs- bzw. Handelsorte. Zu beachten ist auch, dass der damalige Stahl nichts mit dem heute gebräuchlichen hochreissfesten Stahl zu tun hat, der erst ab ca. 1835 auf Instrumenten Verwendung fand.

Weitere Literatur zum Thema ist auf S. 8 des PDF zu finden.

Eine Spezialität der Theorbenzistern ist der Rollen-Kapodaster für die Bass-Chöre. Hier als Beispiel der Rollen-Kapodaster der Theorbenzister von Andreas Ernst Kram, Nürnberg 1770, Sm 43 aus der Musikinstrumentensammlung Willisau (mit freundlicher Genehmigung der Museumsleitung). Link zur Musikinstrumentensammlung Willisau

Willisau Sm 43 Kram 10Willisau Sm 43 Kram 06Willisau Sm 43 Kram 07Willisau Sm 43 Kram 08Willisau Sm 43 Kram 09


C Die Musik

Es sind bis heute drei Handschriften bekannt, von denen die erste klar der Theorbenzister zugeschrieben ist. Die zweite Quelle ist nirgends explizit der Theorbenzister zugeschrieben und es bestehen Zweifel, ob die Zuschreibung zu diesem Instrument korrekt ist. Die dritte Quelle scheint vom gleichen Schreiber wie die zweite zu stammen und beinhaltet nur wenige Stücke mit doppelter Bass-Bezeichnung, die auf eine Theorbenzither weisen könnten.

PL-Kj Mus.ms. 40145
Dieses Buch trägt auf dem Einband die Datierung „1765“. Ein Eintrag auf dem Titelblatt unterhalb des Titels auf der linken Seite besagt: „Posessor Jean Edelmann. 1765.“ Somit könnte das Buch deutlich älter sein, weil der offensichtlich vorher geschriebene Titel lautet: „Evangelisches Choral=Buch, | worinnen | Die wahre Melodien (so wie sie nicht allein | in Nürnberg, sondern auch an andern Orten | gesungen werden) zu finden sind, auch nach | den bequemsten Tönen eingerichtet, und vom | Klavier, in eine dreizehnchörichte Zither über=| setzt / | J.W. Bunsold.“
Die 161 intavolierten Choräle wurden bisher noch keinem bekannten Gesangbuch zugeordnet und somit ist die genauere Datierung noch nicht möglich.

Das Buch umfasst 100 Blatt:
Fol. 1 Titelblatt
Fol. 2-82 sind als Seite 1-161 durchgezählt und enthalten auf jeweils vier mit einem 4-Linien-Rastral von Hand gezogenen Systemen Tabulatur. Die Choral-Überschriften sind durchgängig kalligraphisch ausgestaltet.
Fol. 83-93v Verzeichnis der Choräle, nach Alphabet geordnet
Fol. 95v-96r zwei Praeludien, jeweils auf Seiten mit 5 Systemen (unterstes System bei beiden Stücken leer); Dazwischen eingeklebt: moderne Übertragung
Fol. 96v-97r „Wie man die Mandorina auf eine leichte Art stimmet“
Fol. 98v-99v Stimmung und Akkorde

Die Tabulatur benutzt vier Linien, wobei die Bünde mit Zahlen angegeben werden und die räumlich oberste Linie dem höchst klingenden Chor entspricht (invertierte italienische Tabulatur). Die Bässe werden mit Zahlen dargestellt.
Fol. 96v-97r beinhaltet Angaben zur Besaitung (siehe oben) und zur Stimmung. Sie lautet:
1. Chor = g1
2. Chor = e1
3. Chor = c1
4. Chor = g

5. Chor = f (Tabulaturzeichen 1)
6. Chor = e (Tabulaturzeichen 2)
7. Chor = d (Tabulaturzeichen 3)
8. Chor = c (Tabulaturzeichen 4)
9. Chor = H (Tabulaturzeichen 5)
10. Chor = A (Tabulaturzeichen 6)
11. Chor = G (Tabulaturzeichen 7)
12. Chor = F (Tabulaturzeichen 8)
13. Chor = C (Tabulaturzeichen 9)

S. 98v-99v beinhaltet Griffe und Umstimmungen der Bässe. Dabei werden die Griffe sogar chromatisch verschoben und enharmonisch bezeichnet:
C dur C moll
H dur moll
B.d. B moll
A= | dur, moll
As= | dur, moll | gis moll
G= | dur, moll
Fis= | dur, moll
F= | dur, m
E= | dur, m.
Es= | dur, m
D= | dur, m
Des= | dur, m.
Cis= | Dur (mit Strich, der auf denselben Griff in Des=dur weist)

Somit stehen die Töne c cis/des d es e f fis g as a b h zur Verfügung - was bei mitteltöniger Bundsetzung unweigerlich zu Doppelbelegungen und somit Problemen führt:
H-Dur benötigt als grosse Terz ein dis; hingegen ist Es-Dur ebenso präsent, wodurch wir die Doppelbelegung dis/es haben.
Die erhaltenen Theorbenzistern weisen mehrheitlich ein Griffbrett mit ungleichstufiger Bundsetzung auf.

CZ-Bsa E4.1040
Diese Quelle trägt ein Rückenschild mit „Varia | Ariæ | et Par-|thiæ. | Q | [Verzierung?]“ und enthält 176 Seiten, welche mit einem 4-Linien-Rastral von Hand mit jeweils 5 Systemen rastriert sind.
Die verwendete Tabulatur entspricht für die gegriffenen Chöe der französischen Tabulatur, hingegen sind die Bässe mit der entsprechenden Chor-Nummer versehen (siehe unten). Die Stimmung variiert und ist grundsätzlich anders aufgebaut als bei PL-Kj 40145. Da keinerlei Hinweise auf die absolute Tonhöhe, sondern ausschliesslich relative Stimmbezüge gegeben werden, sind die unten wiedergegebenen Tonhöhen spekulativ. Sie wurden ausschliesslich zur Verdeutlichung verwendet.
1. Chor = f1/e1
2. Chor = d1
3. Chor = a
4. Chor = d
5. Chor = c/cis (Tabulaturzeichen 5)
6. Chor = B/H (Tabulaturzeichen 6)
7. Chor = A (Tabulaturzeichen 7)
8. Chor = G/Gis (Tabulaturzeichen 8)
9. Chor = F/Fis (Tabulaturzeichen 9)
10. Chor = E/Es (Tabulaturzeichen 10)
11. Chor = D (Tabulaturzeichen 11)
12. Chor = C/Cis (Tabulaturzeichen 12)

Das Buch ist in Abschnitte eingeteilt, die sich auf Stimmung und Tonart beziehen:
S. 1-30: Stimmung nach Traficante-System (siehe Abhandlung Accords): dfh / cefhklnp (z.B. f1 d1 a d / c B A G F E D C); [d-Moll]
S. 42: Stimmung nach Traficante-System: cfh / cefhkln- (z.B. e1 d1 a d / c B A G F E D -); [d-Moll]
S. 50-69: Stimmung nach Traficante-System: cfh / bdfhilno (z.B. e1 d1 a d / cis H A G Fis E D Cis); [D-Dur]
S. 76-79: Stimmung nach Traficante-System: cfh / cdfhilnq (z.B. e1 d1 a d / c H A G Fis E D H); [e-Moll]
S. 86-111: Stimmung nach Traficante-System: dfh / c d/e fhklnp (z.B. f1 d1 a d / c B/H A G F E D C); [F-Dur] (innerhalb dieses Sektors wird der 6. Chor umgestimmt)
S. 122-123: Stimmung nach Traficante-System: cfh / bdfgilno (z.B. e1 d1 a d / cis H A Gis Fis E D Cis); [fis-Moll]
S. 126-142: Stimmung nach Traficante-System: dfh / cefhkmnp (z.B. f1 d1 a d / c B A G F Es D C); [g-Moll]
S. 144-164: Stimmung nach Traficante-System: cfh / cdfhilnp (z.B. e1 d1 a d / c H A G Fis E D C); [G-Dur]

Irritierend sind die Stellen, bei denen eine fünfte Linie gezeichnet und darauf ein gegriffener Ton verzeichnet ist. Dies funktioniert mit den bisher bekannten Theorbenzistern nicht, sofern die Saitendisposition als 4x2 oder 3x1 + 2x2 + 1x1 zu erkennen ist. Es könnte jedoch auch sein, dass das Instrument des Schreibers der vorliegenden Tabulatur mit 3x2 + 2x1 - also mit fünf Chören auf dem Griffbrett - disponiert war. Hierzu müsste man sein Instrument sehen - was wohl für immer unmöglich ist. Immerhin sind bei späteren Zisterinstrumenten die Bässe meist einzeln und die oberen Chöre doppelt besaitet.
Hier die Stellen im Detail (die auf dem 5. Chor gegriffenen Töne sind unterstrichen):
• Minuette, S. 11: nachträgliche Korrektur: die Töne cis1 h cis1 waren als Buchstaben e c e auf dem 3. Chor eingetragen und wurden dann wegrasiert. Stattdessen wurde die fünfte Linie mit b c b beschriftet - was erstaunlich ist, zumal dies die Töne cis d cis statt cis H cis ergibt.
• Bouree, S. 16: Es handelt sich um den zweiten Akkord im Schlusstakt des 1. Teils einer d-Moll-Bourrée: A e a / cis e.
• Sailtantzer Guiq[ue]. F.H.G., S. 26-27: Das erste Vorkommen ist in den drei letzten Takten des 1. Teils und völlig eindeutig als e d cis | d (mit Aufschlag von unten) A | D aufzulösen.
• Retirada, S. 158: Im 4. bis 6. Takt des zweiten Teils lautet die Basslinie H fis dis | cis H | E. Harmonisch geht es von H-Dur | Fis7/cis, h-Moll | e-Moll 56, Fis7 nach h-Moll.

CZ-Bm D 189
Dieses vielschichtige Manuskript mit 135 Blatt, das sowohl Musiktheorie (Fol. 1r-2r), Stimmungsanweisungen u.a. für 5-saitige „Callezono“, 6-saitige Gambe (Fol. 3) als auch Musik für Gesang, Ensemble, Posaune, Gambe (Fol. 33v-47v) enthält, beinhaltet neben „Fundamentales Concentus in Callizon“ (Fol. 24v-25r) auch „Fundamenta Chytarrae“ auf 5 Linien (Fol. 48r), wobei der sechste Chor einfach unter die fünfte Linie notiert wird. Interessant ist die Tabelle „Accordo Chytarrea et Mandorae“ auf Fol. 48v. Gegen Ende der ersten Zeile werden sowohl die Mandora-Stimmung (e1 h g d A G) angegeben als auch Bässe - einerseits in Tabulatur bis zum 5. Chor als auch darunter mit Zahlen 6-12 wie in CZ-Bsa E4.1040. Die darüber geschriebenen Notennamen beziehen sich in der Umsetzung auf die vorher gegebene Stimmung der Mandora - wie weit sie auch für die allfällige Theorbenzister Gültigkeit haben könnten, bleibt offen.
In der folgenden Aria ist der Bass sowohl für Mandora innerhalb der Tabulaturlinien als auch mit Zahlen darunter notiert - aber durchaus mit Abweichungen (Tiefoktavierungen) und einer „Mischzone beim 5. und 6. Chor, bei denen manchmal keine Zahl, sondern nur der Tabulatur-Bass steht.
Die darauf folgenden Stücke bis Fol. 96r sind klar für 6-chörige Mandora.
Es folgt ein Alfabetto für 5-chörige Barockgitarre sowie eine Aria für dieses Instrument.
Danach - im unteren Teil von Fol. 96v bis 105r kommt in zwei Systeme geschriebene Ensemblemusik, welche wieder ab Fol. 124v bis 131r fortgeführt wird. Der Rest ist leer.

Von der Terminologie her ist zu beachten, dass die Theorbenzister auch als „Mandorina“, „Mantor Cithare“ etc. bezeichnet wurde (siehe oben, A).