Rezensionen zur 2. Auflage „Die Laute in Europa 2. Lauten, Gitarren, Mandolinen, Cistern“

Claude Chauvel, Bordeaux, in: Lauten-Info 3/2011 der Deutschen Lautengesellschaft, S. 25-26:

Der Leser, der sich durch die für mich wenig anziehende Umschlagsgestaltung nicht abschrecken lässt, wird ein qualitativ herausragendes Werk entdecken, welches durch den gehaltvollen Text und die reichhaltige Bebilderung aktuell in seiner Art einzigartig ist. Es handelt sich um die Neuauflage des gleichnamigen Werkes, das Andreas Schlegel 2006 veröffentlicht hat, aber vollständig überarbeitet und beträchtlich erweitert – ein ambitioniertes Vorhaben, zu dem der auch als Lautenist, Musikforscher und -pädagoge bekannte Autor von einer Gruppe von Spezialisten unterstützt wurde. Diese Spezialisten haben Artikel zu zahlreichen alten und neuen Zupfinstrumenten beigesteuert.
Die Absichten von Andreas Schlegel sind im Vorwort klar umschrieben: „Ein unveränderter Nachdruck schien mir keine gute Lösung, denn zum einen wollte ich Wünsche von Lesern, die mir bekannt geworden waren, berücksichtigen, und zum anderen hatten sich Forschungsstand und Kenntnisse inzwischen weiterentwickelt. Dazu kam mein Anliegen, die Laute nicht mehr isoliert, sondern im Zusammenhang mit den anderen, verwandten Zupfinstrumenten darzustellen und ihre Geschichte bis in unsere Zeit fortzuschreiben. Deshalb habe ich Joachim Lüdtke als Mitautoren, und eine Reihe von Fachkollegen zur Mitarbeit eingeladen. (…) Auch diesmal sollte das Buch farbig sein, mit einer reichen Bebilderung, um die Pracht der Instrumente zur Geltung zu bringen. Um allen Käufern der ersten Auflage einen echten Mehrwert zu bieten, wurden nur ganz wenige Abbildungen aus ihr übernommen. Das Buch sollte für ein möglichst breites Publikum auf der ganzen Welt lesbar sein, deshalb wurde es wiederum zweisprachig [Deutsch & Englisch] angelegt.“
Das Werk gliedert sich in zwei Hauptteile: Der erste „Systematische Teil“ behandelt verschiedene Fragestellungen, welche die Laute – aber auch andere Zupfinstrumente – betreffen: deren Funktionsweise, Akustik, Bauart der Laute und die Saitenherstellung, die Notation, um nur einige zu nennen. Der zweite, wichtigere „Historische Teil“  entält wiederum zwei Abschnitte: zuerst Einzeldarstellungen verschiedener Typen der weit verzweigten Familie der Zupfinstrumente, anschliessend ein chronologischer Abriss der Entwicklung des Instrumentes und seiner Musik von 1200 bis heute. In beiden Teilen ist die Geschichte sowohl für die Laute als auch für die Gitarre bzw. Vihuela, welche deutlich anderen akustischen und ästhetischen Regeln als die Laute gehorchen, parallel erzählt. Dies treibt die Autoren zu einer systematischen Untersuchung der instrumentalen Bereiche all dieser Instrumente an. Genau hierin liegt der grundlegende Unterschied zwischen der nun vorliegenden zweiten Auflage und den ursprünglichen Absichten von Andreas Schlegel – nämlich die LAUTE in Europa darzustellen. Aber er weiss diese Ausdehnung des Themas sehr wohl zu begründen – falls überhaupt nötig. Nach einer Bildergallerie der wichtgsten Exponenten, denen die Wiederentdeckung der Laute im 19. und 20. Jahrhundert zu verdanken ist, folgen zum Schluss Artikel über die Konstruktion der Laute und die Bauteile der Gitarre, der Katalog der diversen Zupfinstrumente (einschliesslich Gitarren, Mandolinen und Cistern aller Art) – dies vor gut 50 Seiten mit instruktiven Anmerkungen zum Haupttext.
Neben dem Haupttext sind es diese vielen, die Erkenntnisse der jüngsten Forschung einschliessenden Anmerkungen, welche den anspruchsvolleren Leser aufklären, führen und stimulieren. Instrumente, musikalische Quellen und alte Gemälde, welche mit grösster Sorgfalt wegen ihrer Bedeutung, Schönheit oder Seltenheit ausgesucht wurden, sind hier wunderbar reproduziert und mit instruktiven Legenden versehen. Man kann durchaus einwenden, dass die Überfülle der Bildtafeln aufgrund der Diskrepanz zwischen Text und Bild vom Text ablenkt: Das Bildmaterial ist chronologisch geordnet und bezieht sich nicht auf den Text, der auf der gleichen Seite steht.
Es ist unmöglich, im Rahmen dieser Zusammenfassung alle Themen aufzuzählen, welche in diesem Buch dargestellt werden: Sowohl der blutige Anfänger als auch der Profi werden hier Antwort auf die zahlreichen und unterschiedlichsten Fragen finden – seien diese aus historischem, organologischem, musikologischem oder praktischem Interesse heraus gestellt.
Zu guter Letzt fasst ein eingestecktes, synoptisches (manchmal etwas schwer leserliches) Poster die wesentlichsten Informationen, die im Buch enthalten sind, extrem kompakt zusammen.
Zusammenfassend und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, kann festgehalten werden, dass mir das Werk von Andreas Schlegel und Joachim Lüdtke – trotz der vorher formulierten kleinen Vorbehalte – als das wohldurchdachteste, nützlichste und auch attraktivste Buch über dieses Thema erscheint, das bis heute geschrieben wurde.


Amazon, ab Oktober 2011:

Die Laute in Europa 2 / The Lute in Europe 2: Lauten, Gitarren, Mandolinen und Cistern / Lutes, Guitars, Mandolins, and Citterns (Gebundene Ausgabe)
Anders als der etwas missverständliche Buchtitel vermuten lässt, stellt dieses Buch nicht den zweiten Teil eines mehrteiligen Werkes dar, sondern die zweite aktualisierte Auflage des vergriffenen Buchs "Die Laute in Europa". Der Umfang hat wurde von 107 Seiten auf satte 447 Seiten erweitert. Unglaublich, was die Autoren Andreas Schlegel und Joachim Lüdtke unter Zuarbeit einiger lokaler Spezialisten hier alles zusammengetragen haben. Andreas Schlegel stellt das zweisprachige (meist zweispaltig dt.-engl.) Werk auf seiner Website accordsnouveaux.ch/de ausführlich vor, dort kann man auch Probeseiten anschauen und bereits jetzt einige Nachträge und Korrekturen nachlesen.
Das Buch wiegt 1,4 kg, ist sorgfältig auf dickem, vornehm seidig glänzenden Papier gedruckt. Schon das oberflächliche Durchblättern wird zur reinen Freude, zuerst wird man von den qualitätvollen Fotos gefesselt. Unzählige Bauvarianten und Details von Lauten, Gitarren, Mandolinen und Cistern vom Mittelalter bis heute sind in opulenten Fotos abgebildet, dazu Stiche, Musikerportraits, handschriftliche und gedruckte Tabulaturen sowie ikonografische Zeugnisse und Konstruktionszeichnungen und Übersichten. Hier findet man alles, von der mittelalterlichen Citole bis zur E-Gitarre dokumentiert und stets im historischen Kontext klug und ungemein kenntnisreich kommentiert und zeitlich sowie lokal eingeordnet. Viele Seiten widmen sich den verschiedenen historischen Stimmungen, an der sich die Musiktheoretiker immer wieder erprobt haben, der Besaitung, dem Bundsystem und der Entwicklung der musikalischen Temperatur bis heute.
Wer meint, das Meiste schon zu wissen, wird hier eines Besseren belehrt. Allein der Anmerkungsteil umfasst 439 Einträge, er dokumentiert die grundsolide Basis für das Werk und den umfassenden wissenschaftlichen Hintergrund. Da die Anmerkungen aus dem Hauptteil ausgegliedert wurden, bleibt dieser trotz der großen Informationsfülle immer gut lesbar, ja unterhaltsam.
Aufschlussreich ist der Blick ins Innenleben geöffneter historischer Instrumente, der nicht nur einige Konstruktionsgeheimnisse preisgibt, sondern auch Zeugnis von der unerreichten Meisterschaft alter Instrumentenbauer und von oft abenteuerlichen Umbauten alter Instrumente ablegt, auch von Irrungen und Wirrungen, um sie den jeweiligen musikalischen Hörgewohnheiten anzupassen. Die meisten der empfindlichen Instrumente sind den Weg des Irdischen gegangen, so dass die wenigen überlieferten von unschätzbarem Wert für Instrumentenbauer und Musikhistoriker sind.

Das Buch ist wie folgt gegliedert:
Systematischer Teil: Konstruktion, Tabulatur, Instrumententypen.
Historischer Teil: Geschichte, Entwicklung, Musik, Komponisten und weitere Themen vom Mittelalter bis zur Jetztzeit.
Anmerkungsteil: mit Literatur und Informationen zum neuesten Stand der Forschung.
Personenregister, (in einer hinteren Einlegetasche) Poster mit einer Chronologie der Instrumente, der wichtigsten Quellen und Namen.
Das doppelseitig bedruckte Poster ist auch einzeln bei den Autoren zu bestellen und soll helfen, grundlegende Fragen zu beantworten wie etwa: "Von wann bis wann war die Angelique in Gebrauch, welche Quellen gibt es und wie sieht sie aus?"
Die Antwort auf diese und zahllose andere Fragen findet man in diesem schönen Buch, dem ich meine uneingeschränkte Kaufempfehlung gebe.

NZZ (Neue Zürcher Zeitung) vom 17. Januar 2012, Feuilleton S. 51

Die Laute in einem Standardwerk
tsr. Was ist der Unterschied zwischen einer Renaissance- und einer Barocklaute? Wie kann eine originale Lautennotation – eine Tabulatur – entziffert werden? Warum war das 16. Jahrhundert das goldene Zeitalter der Laute? Diese und viele weitere Fragen werden im Buch «Die Laute in Europa 2» beantwortet. Nachdem der Lautenist Andreas Schlegel bereits 2006 eine knapp gehaltene erste Auflage verfasst hat, liegt nun mit der zweiten Auflage ein stark erweitertes und überarbeitetes Buch vor, für das Schlegel den Musikwissenschafter Joachim Lüdtke als Koautor und einige Spezialisten als Mitarbeiter gewinnen konnte. Im systematischen Teil sind neben der Laute neu auch verwandte Instrumente wie Gitarren, Mandolinen und Cistern dargestellt. Neu ist auch ein historischer Teil, der die Entwicklung der Lauteninstrumente und ihres Spiels vom Mittelalter bis in die Gegenwart zusammenfasst. Während der Hauptteil in einer verständlichen Sprache gehalten ist, die einen breiten Leserkreis ansprechen dürfte, bieten die ausführlichen Anmerkungen zahlreiche Anregungen für professionell Interessierte. Geradezu sensationell sind die 150 ganzseitigen Abbildungen mit originalen Instrumenten, ikonographischen Zeugnissen, Noten und Überblickstafeln des Grafikers Mihaly Horvath. Unverzeihlich, dass sein Name im Buch nirgends erwähnt wird. Schliesslich vermittelt ein grossformatiges Poster mit einer Chronologie der Instrumente, Quellen und Namen einen konzentrierten Überblick über das ganze Thema.

Schweizer Musikzeitung Nr. 5 / Mai 2012, S. 29 (Marc Lewon)

Referenzwerk
Es kommt nicht häufig vor, dass man ein Werk in die Hände bekommt, dessen Anspruch auf Allumfassendheit zu einem Thema so deutlich durch Titel, Inhaltsverzeichnis und Seitenumfang suggeriert wird. Die vorliegende Monografie
Die Laute in Europa 2 stellt einen solchen Anspruch in den Raum, und zwar nicht nur für die Entwicklung der Laute von den Anfängen bis zur Wiederentdeckung in unserer Gegenwart, sondern - wie der Untertitel verrät - auch in Bezug auf verwandte Instrumentengattungen; darunter als nicht deren geringste die Gitarre inklusive ihrer Erfolgsgeschichte im 20. Jahrhundert. Ein solches Mammutunternehmen lässt einerseits vor Ehrfurcht erstarren, andererseits aber auch Zweifel aufkommen, ob denn die Teilbereiche dem argwöhnischen Auge des Fachmanns standhalten können.
Wenn es zulässig sein sollte, vom Kleinen aufs Grosse zu schliessen, und wenn die übrigen Fachbereiche des Buches in Qualität und Ausführlichkeit den Kapiteln zu Mittelalter und Renaissance entsprechen, dann kann jegliche Furcht getrost abgelegt werden. Obendrein findet sich unter den Gastautoren für einzelne Spezialkapitel und den Danksagungen am Ende des Werks die Crème de la Crème der Lautenwelt, die somit indirekt für das Werk bürgt. Und dies zu Recht:
Das Buch durchzieht eine wunderbare Klarheit der Aussagen, die zugleich ehrlich und direkt sind und auch vor schwierigen Fragen nicht ausweichen. Mit seltsam überkommenen Vorstellungen wird ebenso unmittelbar wie unmissverständlich aufgeräumt. Ohne Zweifel: Hier wird historisch informierter Aufführungspraxis in ihrer edelsten Form das Wort geredet. Dem Buch sind ferner eine angenehme Hochachtung und Respekt vor den historischen Leistungen anzuspüren. Somit ist Die Laute in Europa 2 weit mehr als ein hilfreiches Nachschlagewerk.
Eine typische Doppelseite des Buchs enthält links den durchlaufenden Text, der in zwei Spalten zweisprachig gehalten ist - durch den enormen Aufwand, neben dem deutschen Text auch eine englische Übersetzung bereitzuhalten, haben es die Autoren geschafft,
ihr Buch zum internationalen Referenzwerk zu erheben. Die rechte Seite bietet alle wichtigen historischen Abbildungen sowie Fotos von Originalinstrumenten und -quellen in unzähligen Farbbildern. Neben den vielen Auflistungen, Belegen, Bibliografien und Diskursen (z.B. zu Bund- und Stimmsystemen) ist es besonders reizvoll, dass gegen Ende der Monografie die bedeutendsten Lautenisten seit der «Wiederentdeckung» der Laute im 19. und 20. Jahrhundert angeführt werden. Darunter auch solche Meister und Wegbereiter der mittelalterlichen Plektrumlaute wie Thomas Binkley und Crawford Young.

Soundboard, Vol. XXXVIII, No. 3, 2012, p. 78 (David Grimes)

Andreas Schlegel and Joachim Lüdtke (editors): The Lute in Europe 2. Menziken: TheLute Corner, 2011. ISBN 978-3-9523232-1-2. Hardbound. 447 pp. No price marked.
Since the first edition (2006) sold our quickly, the editors have prepared a new and greatly-expanded second edition of this valuable reference work. Beautifully illustrated, it is a book that could grace your coffee table, as well as your bookshelf. In addition to treatment of the instrument itself, there is a wealth of informative material covering notation, string technology, tuning and many other topics.
The second edition includes a substantial discussion of European instruments related to the lute (vihuela, guitar, bandurria, mandolin, cittern, etc.) and an extensive historical overview from the Medieval period to the present day. Several of these instrumental sections were contributed by various authorities in the particular fields: Carlos González (
vihuela de mano), Renzo Salvador (Renaissance and Baroque guitars), Pepe Rey (bandurria), Peter Forrester (cittern), Lorenz Mühlemann (later cittern and Halszither), Pedro Caldeira Cabral (guitarra portuguesa), Kenneth Sparr (Swedish lute) and Roman Turovsky (torban).
All the text is in parallel German and English. This would be an essential book for anyone teaching a course in lute/guitar history or for anyone interested in the background for either instrument.
As a bonus, there is a lovely and most useful poster that gives a timeline of lute development on one side, and the same for guitar and cittern on the other. It has illustrations of all the instruments in use at a particular time, along with associated milestones in construction and repertoire. -
David Grimes

Lute Society of America Quarterly 1/2012, p. 45-46

The Lute in Europe 2: Lutes Guitars, Mandolins, and Citterns
Andreas Schlegel and Joachim Lüdtke
The Lute Comer: (2011)
Bilingual, German and English 447 pp ISBN: 978-3-9523232-1-2
http://www.accordsnouveaux.ch
Available in the US at Harp Guitar Music, P.O. Box 573155 Tarzana, CA 91357


The Lute in Europe 2 has exciting potential as a general introduction to the organology and history of the lute and guitar families over most of the past millennimn. "Exciting" because no book that I know of approaches that scope until now. The opportunity to compare these instruments–and to some extent their music and their histories–in close proximity yields the kind of broad sweep of comparative understanding that a monograph can't accomplish. But only "potential," because important parts of the story are still incomplete.

Andreas Schlegel's The Lute in Europe: A History to Delight (1st edition), published by The Lute Comer in 2006, was a good beginning and a kernel of the 2011 edition. Many of the most valuable aspects of the 2nd edition began with the 1st edition: it is bilingual in German and English, and filled with plentiful and detailed illustrations of mostly instruments and tablature. Captions and notes are also generously detailed.

The second edition is more comprehensive in both topic and detail, and substantially heftier than the slimmer 1st edition. Through primary author Schlegel's leadership, the second edition becomes a group project: he shows his openness to bring other experts aboard for the sake of depth and accuracy. Joachim Lüdtke is the 2nd edition's coauthor, and nine contributors provide focused sections on various instruments such as Carlos Gonzàlez on the vihuela de mano and Kenneth Sparr on the Swedish lute. (The complete list of contributors is available on the website, above.)

But this isn't all: another twelve experts are credited for information that appears on the large, richly detailed, two-sided poster that comes with the 2nd edition. It is chronological, with comparative timelines. One side shows the "Lute Family" and the other presents "Guitars and Citterns." This poster displays timelines with photos of a great variety of instruments; lists of sources–comprehensive when possible–accompany the photos with flags that represent countries of origins. An incredible amount of information is packed into this valuable chart.

The 2nd edition is divided into the "Systemic Section," which describes organology, notation, and musical temperament; and the "Historical Section," which is comprised of "Individual Instrument Types" and "The History." Most of the additional contributors' commentaries appear in the "Individual Instrument Types" portion of this book. The historical section surveys a broad swath of history from medieval Al-Andalus to the present day, and ends with a lutenist's "who's who" in early music of the 20th century to the present day.

A factual error appears in the systemic section, in a part entitled "Music and Proportion" on page 46, in which Schlegel maintains that equal temperament "...began to be accepted only in the 19th century." (Rameau 's advocacy of equal temperament in the early 18th century quickly attracted followers.) But he makes interesting points about Bach's Das wohltemperirte Clavier (The Well-tempered Clavier), which is not in equal temperament as some might assume. His section on temperament and tunings is valuable, with helpful charts on the harmonic series and illustrations of fret patterns.
[Kommentar AS: Die gleichschwebende Temperatur ersetzte die früheren Systeme nicht sofort. Sie wurde nur nach und nach angenommen, und ungleich schwebende Temperaturen blieben bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. Ibo Ortgies weist in seiner Studie „Die Praxis der Orgelstimmung in Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr Verhältnis zur zeitgenössischen Musikpraxis“, Diss. Göteborg 2004 / überarbeitet 2007 (https://sites.google.com/site/iboortgies/phd-dissertationiboortgies; alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf das dort zu findende PDF-Dokument), auf eine Reihe von Beispielen von Kirchenorgeln, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von ungleich schwebender auf gleichschwebende Temperatur umgestellt wurden.. Dazu gehören die Orgel von St. Bavo in Haarlem, die im Jahr 1836 umgebaut wurde (S. 132), und die der Grote Sint-Michaëlskerk in Zwolle, deren Umbau ein Jahr später erfolgte (S. 142). Ortgies weist weiter darauf hin, dass mitteltönige Temperaturen auch dann noch weiter in Gebrauch blieben, wenn die Subsemitonia von Orgeln entfernt oder außer Funktion gesetzt worden waren (S. 163), und er zitiert eine Passage aus Joseph Galls Clavier-Stimmbuch, Wien 1805, in der die gleichschwebende Temperatur als neues System bezeichnet wird, das in Galls Zeit durchaus nicht durchgängig angewendet wurde und bei Vielen, welche die Klangresultate als hart und weniger harmonisch empfanden, auf Ablehnung stieß (S. 211).
Im übrigen sei auf die Abbildung der Emmentaler Halszither von 1848, gebaut von Johannes Bütler, auf S. 270 verwiesen. Diese Halszither weist – wie fast alle Halszithern mit originalen Griffbrettern aus dieser Zeit – eine mitteltönige Bundeinteilung auf.]


The historical descriptions are brief, but many interesting aspects are touched on, such as Germany's 16th and 17th century export of lute-makers to its European neighbors (223-224), a survey of the lute's popularity in the Habsburg territories (288-300), and renewed interest in classical antiquity during the Enlightenment and the resulting development of the lyre-guitar (326). Schlegel presents a fascinating theory regarding the Jewish Iberian musicians' role in disseminating lute music and performance in pre-16th century Europe, which he defends well (188-ff).

Comparatively more weight is given to lute music after 1600 and the new tuning (Nouvel accord ordinaire) in France than on other topics. He defends his deeper coverage on page 262, and it must be remembered that this is one of Schlegel's specialties after all (as can be seen on his website), which is a valid defense in itself.

"The Guitar, 1810 to the Present Day," however, is a mere ten paragraphs, and only six of those inform us about the classical guitar. The post-1800 guitar focus is on organology, with very little about musical style. This absence of classical guitar coverage is what prevents me from using this as a lute and guitar literature course textbook for my college students. At first glance–that is, when looking at the title and the cover illustration–this book seemed to be an excellent match for this type of course at the college level. In fact, many instructors who teach plucked string literature might be tempted by the strengths of this well-illustrated book anyway. After all, with Tyler's and Turnbull's books other options strictly about guitar history do exist. But most guitar literature courses only run for one semester, and the expectation is usually for the student to buy either no book at all or only one for this course; as it stands, with such a brief section on classical guitar, this book wouldn't be feasible for classical guitar students, thus keeping valuable knowledge about lute and early guitar still just out of reach for most mainstream classical guitar students. I hope that the authors have plans to increase this book's coverage of classical guitar musical styles and composers in a future edition, to better connect modern guitar students with the history of a large part of their own repertoire.
[Kommentar AS: Genau die Existenz von Literatur wie dem vom Rezensenten erwähnten wertvollen Buch von Tyler und Turnbull waren der Grund, weshalb wir nicht mehr über die Gitarenmusik nach ca. 1800 schreiben wollten: Eine wirklich differenzierte Darstellung hätte viel zu viel Platz beansprucht. So stellten wir die Gitarre lediglich in ihren Kontext und gaben neue Informationen vorwiegend für die Geschichte zwischen ca. 1750 und 1800, die von kaum jemandem bisher eingehender beleuchtet wurde.]

Smaller sections at the beginning and end of the book are especially worthy of note: the "Gallery of lnstruments" on pages 8-23 includes photos, tunings, and string lengths. This is followed by a thoughtful commentary on the way we name and refer to musical instruments; especially the less common varieties. In the last pages of the book we find more brief but valuable sections: the first two convey lute and classical guitar construction with labeled illustrations of lute and modem classical guitar, followed by "Nomenclature of Instruments" featuring an illustrated, annotated list of the wide variety of plucked instruments covered throughout the book. (Perhaps the authors would consider labeling these helpful reference sections as "Appendices" to clarify their presence in the table of contents, and to help reference these sections throughout the rest of the book.)

The illustrations and graphics are a great strength of both editions (the 2nd edition adds many new illustrations and does not incorporate many of the 1st edition photos, which is a selling point for the 2nd edition even among owners of the 1st edition). Nearly every facing page displays an image; most of these are instrument photos, but charts, tablature, title pages, and maps are included, as well. A wide variety of instruments are pictured, including the gallichon, mandolin types, Emmental Halszithers, jazz guitars, and even a modem traveling theorbo that breaks down into a cello-sized case. Captions for instrument photos, and the photos themselves, are carefully detailed ("The little finger of the player's right hand has left clearly visible traces around the bridge…" is an excerpt of a lengthy caption for a photo of a 14 course cittern, pictured on page 144).
[Kommentar AS: Das auf S. 145 abgebildete Instrument – mit Legende auf S. 144 – ist eine 14-chörige Arciliuto von Martinus Harz, Rom 1665.]

Although the illustrations themselves are a strong point of this book, their placement is problematic. Since the musical instrument pictures are in somewhat of a chronological order and usually take up the entire right-hand facing page, they are not concentrated within their own topic area, so throughout the book the illustrations don't relate to their facing pages. This is distracting, forcing readers to tum to another section of the book for a visual point to be made. Imagine reading about Ziryab, the 8th century Arab ud player who brought his 5 course 'ud to Andalusia, with a beautiful photograph of a 13-course Baroque lute on the facing page. It leaves one, well, emotionally confused. In another example, I wish the torban illustration on page 265 would be facing Roman Turovsky's description of the instrument on pages 182-186 instead of the diatonic cittem or a 13 course Baroque lute. Notated music and tablatures are also often pictured far away from their textual topics. A late 18th century sonata tablature is pictured on page 243 facing text about 16th century music, and de Visée lute and theorbo tablatures on pages 170-171 surround Caldeira Cabral's text about the Guitarra Portuguesa. In some spots the illustrations are right where they should be: the graphs and illustrations about temperament and tunings on pages 48-62 are thankfully–and very helpfully–located with their corresponding texts. Two intriguing maps showing printed publications in Europe are placed in the range of their texts as well, on pages 226 and 290.
[Kommentar AS: Wir hofften, durch die Darlegung die Struktur des Buches im Vorwort – nämlich „streng chronologisch geordnetes Bildmaterial, verbunden mit ausführlichen Bildlegenden" und "vom Bildmaterial weitgehend unabhängiger Text", kombiniert mit "Anmerkungen mit detaillierten Informationen für den Fachmann" – mögliche Verwirrung vermieden zu haben.]

The English translation has some difficulties in general with punctuation, grammar, spelling, and occasionally word choice; for instance on page 376: "Mudarra was the first to demand the Renaissance guitar in 1546–as a Vihuela de mano reduced to four courses." (Italics are mine; the analogous term used in the German column was verlangt.) These editorial concerns are relatively minor, however; I greatly appreciate–and I'm sure I'm not alone–the bilingual format, which brings the wealth of this book to a much larger audience than it would have otherwise.

Lute players of all levels and interested listeners would benefit from and enjoy this well-illustrated text, but it is much more than a coffeetable book. It can be considered a reference work for scholars, a worthy text for college level courses on lute literature, or as a supplementary text for lute and guitar literature courses. With the detailed descriptions and commentary on so many varieties of instruments this would also be a useful introduction for luthiers who are considering early instruments. The web page listed above provides helpful information for the prospective buyer. Overall, this book is a strong general introduction to the organology, history, and to some extent the music of the lute and guitar instrument families. I'm happy to recommend this book, and I look forward to future editions.

Jocelyn Nelson

[Kommentar AS: Wir sind für Kritik, Wünsche und Ideen offen, um bei einer allfälligen weiteren Auflage Verbesserungen vornehmen zu können. Zu bedenken ist aber, dass dieses Projekt von den Autoren weitestgehend privat finanziert wurde – mit der sehr geschätzten Unterstützung der Berta Hess-Cohn-Stiftung, welche etwa ein Viertel der Gesamtkosten deckte. Damit „Die Laute in Europa 3“ entstehen kann, müssen Verkäufe des jetzt vorliegende Buches dessen Entstehungskosten wieder einspielen. Hoffentlich trägt die Rezension von Kocelyn Nelson dazu bei.]