Biographie

Andreas Schlegel wurde 1962 in Basel in eine Musikerfamilie geboren. Er studierte historische Zupfinstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis bei Eugen Dombois und Hopkinson Smith sowie an der Musikhochschule Karlsruhe bei Jürgen Hübscher. Wegen seines grossen Interesses an der Verbindung zwischen Forschung und Praxis hörte er an der Universität Basel Musikwissenschaft bei Prof. Wulf Arlt.

Er versteht sich als Forschermusiker. 1989/90 entstand für das Radio DRS die CD “Schweizer Lautenmusik - Lautenmusik aus Schweizer Handschriften”, für welche er von der Erforschung des Quellenmaterials bis zum Einspielen der Musik und dem Verfassen des Booklets alle Aufgaben ausführte. Er verfasste auch diverse Fachartikel (siehe "Schriften").

Seit 1987 ist er als Gitarrenlehrer an verschiedenen Musikschulen in den Kantonen Solothurn und Aargau tätig und lebt in Menziken. 1990-97 war er Leiter der Musikschule Reinach (Aargau) und arbeitete im Vorstand der Vereinigung Aargauischer Musikschulen. Anschliessend war er bis 2005 im Schulleitungsteam der Musikschule Menziken. 1998 erfolgte die Gründung des Verlags “The Lute Corner A.Schlegel”, zu dem sich 1999 das gleichnamige Aufnahmestudio und das CD-Label gesellten.
Als Projektleiter war er für das 7. Europäische Jugendmusikfestival 2002 in der Region Wynental / Aarau / Lenzburg tätig, wobei er auch das Gemischte Ensemble der Musikschule Menziken leitete. Dieses Festival vereinte in der ganzen Schweiz rund 5‘000 Jugendliche aus 27 europäischen Staaten sowie Japan und Ecuador mit 2‘700 Musikerinnen und Musikern aus der Schweiz. 2004 nahm er mit dem Gemischten Ensemble der Musikschule Menziken am 8. Europäischen Jugendmusikfestival in Malmö und Kopenhagen teil.

Seit einigen Jahren steht das eigene künstlerische Schaffen wieder vermehrt im Vordergrund, was 2002 zu seiner zweiten Solo-CD geführt hat. Auch als Begleiter ist er vermehrt aktiv, so z.B. beim Bachcollegium Zürich und dem Ensemble La Partita oder bei den Wettinger Klosterspielen. 2006 erschien die CD "Sonaten für Laute und obligate Violine von Friedrich Wilhelm Rust und Bernhard Joachim Hagen", die er mit der Konzertmeisterin des Bachcollegiums, Myrtha Albrecht-Indermaur, aufgenommen hatte.
Andreas Schlegel spielt einen Grossteil der historischen Zupfinstrumente, nämlich Renaissancelaute, die diversen Barocklauten, Theorbe und Barockgitarre.
Ende 2006 erschien das Buch „Die Laute in Europa. Geschichte und Geschichten zum Geniessen“. Das Buch war schnell vergriffen, so dass eine massiv erweiterte Neuauflage unter Mithilfe von Joachim Lüdtke (Co-Autor), Mihaly Horvath (Bildbearbeitung und Grafik) sowie neun Spezialisten erstellt wurde. Neu behandelt „Die Laute in Europa 2“ auch Gitarren, Cistern und Mandolinen und gibt so einen breiten Überblick über die europäischen Zupfinstrumente (ausser der Harfe). Das Buch ist im Mai 2011 erschienen und gilt inzwischen als Referenzwerk. Link zur Buch-Seite
Zahlreiche Vorträge (oft mit Lautenspiel kombiniert) u.a. bei der Deutschen Lautengesellschaft, bei der Lute Society, am Early Music Festival Utrecht, am Musikinstrumentenmuseum Berlin.

Seit Juni 2013 ist er wieder als Musikschulleiter tätig; nun an der Musikschule Unteres Furttal (Otelfingen, Boppelsen, Dänikon, Hüttikon). Ab Februar 2017 leitet er auch die Musikschule Menziken-Burg.

Für das 30-Jahr-Jubiläum der Musikschule Menziken-Burg vom 24. Mai 2014 war er als Programmgestalter, Arrangeur und Co-Autor der Festschrift „Musik & Schule“ tätig. Das Konzertprogramm umfasste
• Musik von 1525 (Huldrych Zwinglis Kappeler Lied „Herr, nun heb den Wagen selb“) bis 2001 („Ond öberhoupt“ der inzwischen aufgelösten Band „deteil“, welche aus dem von Andreas Schlegel lancierten Band-Projekt der Musikschule Reinach hervorging),
• selten beleuchtete musikgeschichtlche Themen wie „Liedflugschriften“ (mit „Wilhelmus von Nassauen“; mit einem Lied über eine Braut, die beim Übersetzen über den Hallwilersee zur Hochzeit in Reinach ertrunken ist; mit dem Scheckenlied oder dem „Geistlichen Meienlied“),
• die Adaption von Musik (Mozarts KV 33b als adaptierte Lauten-Kammermusik eines Herrn Hirschtaller) bis hin zum
• Schlager „Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an“ der Menzikerin Monica Morell.
Das Konzept hiess: Die Musik muss mit Menziken oder der Umgebung etwas zu tun haben. Anders ausgedrückt: Ein Gang durch die Musikgeschichte mit den Augen eines Oberwynentalers.
11 Stücke wurden von 121 Mitwirkenden als Gesamtorchester der Musikschule bis zur Ländlerformation dargeboten. Zu all diesen Stücken hält die Festschrift historische Informationen bereit, wobei es den Autoren Markus Widmer-Dean und Andreas Schlegel auch um das Einbinden dieser ausgewählten Stücke in die Geschichte ging. Der einleitende Aufsatz über das Thema „Musik & Schule“ zeigt die weltweite Sonderstellung des Kantons Aargau auf, der bereits 1865 Instrumentalunterricht auf Volksschulstufe eingeführt hat.
Die 28-seitige Festschrift kann via Kontakt angefordert werden.

Und: An der Basler Fasnacht war er im Bangg vom Schorsch vom Haafebeggi II ebenfalls spielenderweise unterwegs...

Weiter zu:
Konzerte mit obligater Laute
CH-SGv VadSlg P 3060
Schweizer Quellen für Laute und Cister
Horaz-Oden mit Lauten-Intavolierungen
Die Lautenstimmung zum Judentanz von Hans Newsidler
Parallellesung von Reusners Vorworten 1676 und 1697
Musikbibliothek der Fürsten zu Dohna Schlobitten
Dowland- und Jones-Drucke aus der ehemaligen Musikbibliothek der Fürsten zu Dohna Schlobitten

Schriften (Auswahl)

A) Thema "La Rhétorique des Dieux" (D-Bkk 78.C.12)

Bemerkungen zur Rhétorique des Dieux, 1.Teil: Zur Entstehungsgeschichte, in: Gitarre & Laute 2/1989, S.17 - 23; 2.Teil: Die Tabulatureinträge vor dem stilistischen Hintergrund der französischen Lautenmusik des 17. Jahrhunderts, in: Gitarre & Laute 3/1989, S.17 - 23; 3.Teil: Die Tabulatureinträge in der „Rhétorique“, in: Gitarre & Laute 4/1989, S.27 - 32

Was ich dank der „Rhétorique des Dieux“ bisher lernen konnte, in: Jahrbuch der Deutschen Lautengesellschaft, Nr.1 (1997), S.45 - 83

Faksimile der Handschriften D-Fschneider Ms. 12 und S-Smf MMS 23 und weitere Abschriften von Notator B der "Rhétorique des Dieux (zusammen mit François-Pierre Goy; in Vorbereitung)"

Dieses Thema beschäftigt Andreas Schlegel seit seiner Studienzeit. 1986 schrieb er eine erste Arbeit darüber, nachdem er auf dem Mikrofilm entdeckt hatte, dass innerhalb der Pergamenthandschrift Papierseiten mit den "Accords" eingefügt sind. Als kurz danach die Dissertation von David Buch im musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel eintraf, begann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Handschriftenaufbau, der ihn auch nach Berlin führte, um das Original zu besichtigen und aufgrund der Lagenbeschreibung neue Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte zu gewinnen. Die originale Bindung des Manuskript ist hingegen nicht mehr eruierbar, zumal der Buchblock zumindest teilweise an der Bindungsseite beschnitten wurde und die heutige Bindung mittels Falzstreifen bewerkstelligt ist. Die heutige Bindung ist sehr eng, so dass eine exakte Lagenbeschreibung ohne Gefährdung des Buches nicht möglich war.
Die Resultate der Forschungen und Auseinandersetzung mit Buchs Dissertation sind in der Artikelreihe in Gitarre & Laute von 1989 dargestellt. Die Artikelserie des Verfassers wurde auf Wunsch der Lute Society of America von einem befreundeten amerikanischen Musikwissenschaftler übersetzt. Ohne Angabe von Gründen erschien der Aufsatz aber nie – hingegen wurde 1995 Buchs Artikel „On dating the Lute Music in „La Rhétorique des Dieux“: New Evidence from Watermarks“ (1) publiziert.
Buch stellte die Artikelserie des Verfassers von 1989 für das englischsprachige Publikum folgendermassen vor:
„His (Schlegel‘s) main points are these: he sees the lute music by Denis Gaultier in the Rhétorique as distantly removed from its mid-seventeenth-century origins, and he described the manuscript as a peripheral source with no direct connection to Gaultier‘s own version of his lute music or to the notation style of the repertory during its apex in the grand siècle.“ Er redet von „Schlegel‘s revisionary history“. (2)
„Mr. Schlegel contrives two scenarios where the lute music is inscribed at a significant later phase of the manuscript‘s assembly by individuals who had no contact with the original creators. His reasons are based mostly on his belief that the unusally sparse tablatures of the Rhétorique are not consistent with contemporary national practices. In both of his scenarios the twelve paper pages are created and inserted when the manuscript is bound in its present form, and he believes that these pages with their accords precede the inscription of the music. In his preferred scenario the two scribes copy the music into the manuscript after the present binding is completed. I believe the evidence presented below will show all of these hypotheses to be specious.“(3)
Diese „Zusammenfassungen“ müssen in mehreren Punkten zurückgewiesen werden:
1. Es finden sich keine konkreten Aussagen zur Datierung der Tabulatureinträge in der Artikelserie, sondern nur die Aussage, dass es einen Unterbruch gab und die „Fertigstellung“ nicht mehr im Sinne des ursprünglichen Plans erfolgt ist.
2. Die ungewöhnlich sparsame Schreibweise wird konstatiert, hingegen nicht als Argument verwendet. Hingegen werden die Varianten – also Abweichungen gegenüber allen anderen erhaltenen Versionen – diskutiert und als Argumente gegen eine besonders von Denis Gaultier autorisierte Fassung gewertet.
3. In der Tat wurden im Artikel verschiedene Szenarien der Abfolge der Arbeitsgänge diskutiert. Hingegen wird klar festgehalten: „Diese Bemerkungen (zum Fehlen des Portraits Anne-Achille de Chambrés und seiner Frau, AS) sowie die Tatsache, dass zwei sich ausschliessende Rekonstruktionsversuche denkbar sind, zeigen, wieviel Interpretationsmöglichkeiten die bis heute bekannten Fakten zur Entstehungsgeschichte noch offen lassen. Wichtig scheint dem Verfasser, dass auf die vorliegende Gegenposition zur herkömmlichen Betrachtung der Entstehungsgeschichte der Rhétorique keine neuen Glaubensbekenntnisse, sondern weitergehende Forschungsarbeiten folgen.“ (4)
Buch geht also nicht auf die Argumentation für die Hauptaussage der Artikelserie ein, wonach „Denis Gaultier nicht direkt an den Fassungen und am Eintrag seiner Stücke beteiligt gewesen sei“(5), sondern tauscht die Argumente des Verfassers mit eigenen „Zusammenfassungen“ aus, die er dem Verfasser in die Schuhe schiebt und versucht dann, diese „Zusammenfassungen“ zu widerlegen.
Buch liefert 1995 folgende Forschungbeiträge:
Er kann die heutige Bindung aufgrund des Wasserzeichens der Vorsatzblätter und des Stils auf das späte 18. bis Mitte 19. Jahrhundert datieren und bestätigt somit die 1933 von Jean Cordey aufgestellte Hypothese. (6)
Das Wasserzeichen auf den Blättern mit den „Accords“ datiert Buch auf 1624 (7), während sich François Lesure in seinem Vorwort zum Minkoff-Faksimile auf kein Datum festlegen will (8) und Gustafson sie auf 1645-1675 datiert (9). Das Wasserzeichen bezeichnet einen „terminus post quem“: Das Entstehungsdatum sagt wenig über das Verwendungsdatum aus, ausser, dass Papier erst nach dessen Entstehung beschriftet werden kann.
Buchs Diskussion um die Accords und ob sie vor oder nach den Tabulatureintragungen geschrieben wurden – wann sie eingefügt wurden, ist nochmals eine andere Frage – ist unnütz, weil sie nicht in Betracht zieht, dass in der Phase der „Entstehung nach Plan“ wohl Abschreibvorlagen existiert haben dürften, auf die sich der Notator der Accords-Formeln ebenso hätte beziehen können wie auf die heute eingetragenen Werke. Aussagen über die Reihenfolge sind also derart hypothetisch und mit so vielen fraglichen Voraussetzungen belegt, dass sie keinen praktischen Aussagewert enthalten und vor allem kein Argument gegen die inhaltliche Analyse und Bewertung der Tabulatureintragungen darstellen. (10)
1997 entgegnete Andreas Schlegel der Argumentation von Buch in einem Artikel, in welchem die in der Artikelserie von 1989 bereits vorgestellte Theorie der inhaltlichen Annäherung an die verschiedenen Fassungen desselben Stückes mittels der Begriffe "Überlieferungsspektrum" und "Formulierungsspielraum" präzisiert wird. Eines der gegebenen Beispiele – "La Champré" von Denis Gaultier – betrifft zwei Eintragungen in zwei verschiedenen Manuskripte (Rhétorique und D-Fschneider Ms. 12) in der Hand von Notator B. Die zwei Fassungen weichen stark voneinander ab. Die Fassung, die Notator B in die Rhétorique eingetragen hat, liegt klar als ausserhalb des für französische Barocklautenmusik üblichen Formulierungsspielraumes.
Somit war das Interesse an der Verfolgung weiterer Spuren von Notator B gegeben. Im Moment arbeiten François-Pierre Goy und Andreas Schlegel an einer Edition aller von Notator B geschriebenen Werke – mit vergleichenden Lesungen u.a. zu Gaultiers Drucken. Und somit ist die Diskussion um die Rhétorique bezüglich der Bewertung der Tabulatureinträge wieder dort, wo sie sein sollte: bei der differenzierten Quellenkritik.

François-Pierre Goy hat übrigens wesentliche Beiträge zu den Bildinhalten und Texten in der Rhétorique sowie über den Auftraggeber Anne-Achille de Chambré veröffentlicht (11). Diese Arbeiten sind inzwischen wesentlich erweitert und werden ebenfalls in aktualisierter Fassung abgedruckt.

(1) David Joseph Buch, On dating the Lute Music in „La Rhétorique des Dieux“: New Evidence from Watermarks, in: Journal of the Lute Society of America XXV (1992, © 1995), S. 25-37
(2) op. cit., S. 26
(3) op. cit., S. 28
(4) op. cit., Nr. 2, S. 22a
(5) op. cit., Nr. 2, S. 22b
(6) Der Verfasser hat diese Bindung für die Bedeutung der Entstehungsgeschichte als nicht relevant angeschaut und „unterschlagen“, zumal die Bindung des Buchblocks mittels Falzstreifen keine Aussage mehr über die Abfolge der alten Bindungen zulässt – ausser dem Hinweis, dass eben der ganze Buchblock und nicht nur die allenfalls später eingefügten Blätter mit den „Accords“ mittels Falzstreifen gebunden wurden.
(7) Buch, On dating…, S. 34
(8) François Lesure (Hrsg.), Denis Gaultier, La Rhétorique des Dieux, Faksimile mit Vorwort und Konkordanzentafel von François-Pierre Goy, Genf 1991, S. XXI, note 1
(9) Bruce Gustafson, French Harpsichord Music of the 17th Century, Ann Arbor 1977, Vol. I, S. 181
(10) Buch erwähnt die vom Verfasser 1989 präsentierte Idee nicht. Diese Idee ist zu finden in op. cit., Nr. 2, S. 19a, 19b, 20a, 20b, 20c, 21a, 21b, 21c, 22b
(11) François-Pierre Goy, Antiquité et Musique pour Luth au XVIIème siècle: Les Sources de l‘Iconographie et des Arguments de „la Rhétorique des Dieux“, in: Bulletin de l‘Asociation Guillaume Budé, Oktober 1995, S. 263-276
François-Pierre Goy, Anne-Achille de Chambré et sa famille. Nouvelles recherches biographiques, in: Le joueur de luth


B) Thema Friedrich Wilhelm Rust

Zur Neuausgabe der Sonaten für Laute und obligate Violine / Flöte von Friedrich Wilhelm Rust, in: Gitarre & Laute 6/1989, S.41 - 47

Friedrich Wilhelm Rust: Drei Sonaten für Laute und obligate Violine / Flöte, Menziken (The Lute Corner) 1998

CD „Friedrich Wilhelm Rust (1739-1796) & Bernhard Joachim Hagen (ca.1720-1787): Sonaten für Laute und obligate Violine“ mit Myrtha Albrecht-Indermaur, Violine (2006)

Die Lautenmusik von Rust ist in zwei Quellen in Tabulatur überliefert: D-B Rust 53 und PL-Kj 40150 (ehemals Berlin, Auslagerungsort Fürstenstein). Rust 53 hat einen völlig unlautenistischen Stil und sogar unspielbare Stellen drin. Erst nach dem ca. 1987 bekannt gewordenen Auftauchen der nach Fürstenstein ausgelagerten Handschriften konnte ein Vergleich mit den in Ms. 40150 zu findenden Lautenstimmen zu Sonaten I und II erfolgen: Erkennbar wurde, dass die Sonaten in Rust 53 massivst bearbeitet und dass diese Bearbeitungen IN DIE TABULATUR eingetragen wurden. Andreas Schlegel untersuchte 1988 in der damaligen Deutschen Staatsbibliothek in Ost-Berlin (DDR) Rust 53 und legte in akribischer Arbeit die Grundschicht der Tabulatur frei. Dabei wurde klar, dass die Fassungen von Ms. 40150 sozusagen identisch waren wie die Grundschicht von Rust 53. Somit konnten Kriterien zur Rekonstruktion der dritten Sonate erarbeitet werden, die ausschliesslich in der überarbeiteten Form von Rust 53 überlebt hat.
Die Überarbeitung von Rust 53 steht wohl im Zusammenhang des "Fall Rust": Der Enkel von Friedrich Wilhelm Rust, Thomaskantor Wilhelm Rust, wollte seinen Grossvater als Vorgänger Beethovens darstellen und hat viele Ausgaben mit Musik seines Grossvaters gemacht, die dessen Musik stark romantisierten. Da Rust auch einen Lexikonartikel über die Lautentabulatur schrieb, wollte er möglicherweise die Differenz zwischen der originalen Tabulatur und der von ihm romatisierten Edition dieser Sonaten vertuschen. Die Geigenstimme, die ausschliesslich in der überarbeiteten Fassung von Rust 53 überlebt hat, musste ebenfalls so gut wie möglich zurückgeführt werden.
Die vorliegende Ausgabe ist also eine Rekonstruktion und kann aus erwähnten Gründen keine kritische Ausgabe sein. Die früheren Ausgaben (Neemann etc.) gehen auf Rust 53 zurück und sollten heute nicht mehr benutzt werden!

Siehe auch: Kammermusik


C) Ausgaben für die Praxis

Ms. Herold, Padua 1602. Faksimileausgabe mit einer Einführung von Andreas Schlegel und François-Pierre Goy, München (TREE Edition) 1991

Vorwort zur Faksimile-Edition der Handschrift Brussel, Koninklijke Bibliotheek, MS II 4087
, Peer (Alamire) 1992

Ms. Basel UB F.IX.53: Pièces de luth en accords nouveaux (bearbeitet für Barocklaute im NAO [= d-Moll-Stimmung]), Menziken (The Lute Corner) 1999

Monsieur Jacobi: Sonate Es-Dur für Laute, Menziken (The Lute Corner) 1999


D) Artikel für MGG

Artikel „Ernst Gottlieb Baron“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), 2. Auflage, Personenband 2, Sp.271-274, Kassel etc., 1999


E) Bücher

„Die Laute in Europa. Geschichte und Geschichten zum Geniessen / The Lute in Europe. A History to Delight“, Menziken (The Lute Corner) 2006 (120 Seiten, vergriffen)
Stark erweiterte Neuauflage „Die Laute in Europa 2. Lauten, Gitarren, Mandolinen und Cistern / The Lute in Europe 2. Lutes, Guitars, Mandolins, and Citterns“, Menziken (The Lute Corner) 2011 (447 Seiten plus Poster, siehe hier)

F) Sonstige Artikel
Eberhard Nehlsen & Andreas Schlegel: Der Benzenauer – Lied, Ton und Tanz, in: Albrecht Classen, Michael Fischer, Nils Grosch (Hrsg.): Kultur- und kommunikationshistorischer Wandel des Liedes im 16. Jahrhundert (= Populäre Kultur und Musik, Band 3), Münster / New York / München / Berlin (Waxmann) 2012, S. 187-218. Link zum Verlag
Der dazugehörige Quellenkatalog ist auf der Homepage der Universität Freiburg i.Br. publiziert und ist mit diesem Link erreichbar.

Andreas Schlegel: On Lute Sources and Their Music – Individuality of Prints and Variability of Music, in: Journal of the Lute Society of America XLII-XLIII (2009-2010) © 2011, S. 91-164.
Die deutsche Fassung (mit Seitenverweisen auf die englische Publikation) ist mit diesem Link erreichbar.

Andreas Schlegel: The Lute in the Dutch Golden Age: What we know and what we play today, in: The Lute in the Netherlands in the Seventeenth Century: Proceedings of the International Lute Symposium Utrecht, 30 August 2013, ed. by Jan W.J. Burgers, Tim Crawford and Matthew Spring, Cambridge Scholars Publishing 2016, ISBN 978-1-4438-9075-5, p. 73-101.