Stimmungen
- ein Überblick
Die verschiedenen Stimmungen der Laute haben schon zu
mehreren Publikationen geführt. Bekannt sind vor allem
- Radke (Radke, Hans: Beiträge zur Erforschung der
Lautentabulaturen des 16. bis 18. Jahrhunderts, in: Die
Musikforschung XVI (1963), S. 34-51),
- Rave (Rave, Wallace John: Some Manuscripts of French Lute
Music 1630-1700: An Introductory Study, UMI 1972) und
- Schulze-Kurz (Schulze-Kurz, Ekkehard: Die Laute und ihre
Stimmungen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts,
Wilsingen, Tre Fontane, 1990).
Hinzu kommt die hier einem breiteren Publikum zugänglich
gemachte Abhandlung von François-Pierre Goy, die ebenfalls
eine eigene Numerierung verwendet (z.B. Goy 2a). Alle
Listen sind bezüglich aller verwendeter Lautenstimmungen
unvollständig und weisen je eigene Problematiken auf. Hinzu
kommt, dass auch die Stimmungen der Lyra viol, der Mandore
und zum Teil der Barockgitarre sinnvollerweise verglichen
werden sollten: Die Laute war ja nicht das einzige
Instrument, auf welchem verschiedenste Stimmungen
ausprobiert wurden.
Deshalb
versuchen wir, eine Zusammenstellung aller bekannter
Stimmungen der Laute, Lyra viol, Mandore, Angélique,
Theorbe und der Barockgitarre sowie anderer Zupfinstrumente
zu machen. Und dies mit einer universellen
Stimmungsdarstellung, die sich an die zeitgenössischen
Stimmungsanweisungen in französischer Tabulatur anlehnt und
auch die Bässe integriert (siehe weiter unten).
Die Stimmungsdatenbank und die diversen Listen finden Sie
weiter unten. Um Hinweise auf Ergänzungen und Korrekturen
sind wir sehr dankbar. Die Datenbank ist weiter im Aufbau.
Fertig sind die Bereiche der Accords nouveaux für Laute,
der Mandore, der Gitarre und der Viole resp. Lyra viol. Die
Lautenstimmungen werden weiter differenziert – Mitarbeit
ist herzlich willkommen!
Vorbemerkung zu den Stimmungsdarstellungen:
1. Die Angabe – Beispiel fdeff [cbcc]
– beziehen sich auf die französische Tabulatur, wie sie für
Laute, Barockgitarre, Mandora und Lyra viol verwendet
wurde. Die ersten Buchstaben geben die Intervalle der
hauptsächlich gegriffenen Saiten an. Die in eckige Klammern
gesetzten Buchstaben bezeichnen die Stimmung der Basschöre.
Die Bedeutung in Tabulatur resp. bei der Stimmanweisung:
ein "a" bedeutet leere Saite resp. unisono
ein "b" greifen am 1. Bund resp. 1 Halbton Abstand (kleine
Sekunde) bis zum Unisono
ein "c" greifen am 2. Bund resp. 2 Halbtöne Abstand
(Ganzton) bis zum Unisono
ein "d" greifen am 3. Bund resp. 3 Halbtöne Abstand (kleine
Terz) bis zum Unisono
ein "e" greifen am 4. Bund resp. 4 Halbtöne Abstand (grosse
Terz) bis zum Unisono
ein "f" greifen am 5. Bund resp. 5 Halbtöne Abstand
(Quarte) bis zum Unisono
ein "g" greifen am 6. Bund resp. 6 Halbtöne Abstand
(Tritonus / verminderte Quinte) bis zum Unisono
ein "h" greifen am 7. Bund resp. 7 Halbtöne Abstand
(Quinte) bis zum Unisono
ein "i" greifen am 8. Bund resp. 8 Halbtöne Abstand (kleine
Sexte) bis zum Unisono
ein "k" greifen am 9. Bund resp. 9 Halbtöne Abstand (grosse
Sexte) bis zum Unisono
ein "l" greifen am 10. Bund resp. 10 Halbtöne Abstand
(kleine Septime) bis zum Unisono
ein "m" greifen am 11. Bund resp. 11 Halbtöne Abstand
(grosse Septime) bis zum Unisono
ein "n" greifen am 12. Bund resp. 12 Halbtöne Abstand
(Oktave) bis zum Unisono.
Die Stimmung wird vom 1.Chor ausgehend
angegeben (wie bei den Stimmungen für Lyra viol):
Der erste Buchstabe bedutet also, dass man auf dem 2. Chor
auf dem angegebenen Bund geifen muss, um ein Unisono mit
dem 1. Chor zu erreichen.
GROSSBUCHSTABEN bezeichnen Chöre, die eine Oktave
tiefer als gewohnt stehen (sogenannte re-entrant
tunings wie bei der Theorbe), unterstrichene
Buchstaben Chöre, die eine Oktave
höher als gewohnt stehen (wie bei der
Barockgitarre).
Eine Differenzierung der Oktavsaiten ist in diesem
System NICHT vorgesehen.
Um allen, denen die bisher verwendeten Bezeichnungen
vertraut sind, eine Hilfestellung zu geben, werden die
"alten" Bezeichnungen abgekürzt aufgeführt. Dabei gilt:
G n = Goy-Nummer
Rk n = Radke-Nummer
Rv n = Rave-Nummer
SK n = Numerierung von Schulze-Kurz.
2. Normalerweise ist der erste
Chor einer Laute mit einer Einzelsaite bespannt. Es gab
aber eine Periode – ca. 1580 bis 1620 mit Hauptregion
Oberitalien –, in der Versuche mit doppelt besaiteter
Chanterelle erfolgten. Genaue Untersuchungen über dieses
Phänomen stehen leider noch aus.
Es hängt bei Lautenmusik aus der Zeit zwischen ca. 1625 und
ca. 1680 vom verwendeten Instrument ab, ob der zweite
Chor einzeln oder doppelt besaitet ist. Als Faustregel
gilt:
- 10-chörige Instrumente weisen in der Regel 1x1 + 9x2 (=19
Saiten) auf,
- 11-chörige Instrumente in der Regel 2x1 + 9x2 (=20
Saiten),
- 12-chörige Lauten mit Doppelwirbelkasten in der Regel 1x1
+ 7x2 / 1x2 / 1x2/ 1x2 / 1x2 (= 23 Saiten).
Mit welchem Instrument letztlich die Stücke gespielt
wurden, lässt sich nur ungenau sagen: Verlangt ein Stück
nur 10 Chöre, kann es natürlich auch auf einer 11- oder
12-chörigen Laute gespielt worden sein. Verlangt ein Stück
hingegen explizit 11 oder 12 Chöre, dürfte ein
entsprechendes Instrument zur Verfügung gestanden sein. Die
Frage bleibt aber offen, welchen der drei Personen es zur
Verfügung stand: dem Komponisten, dem Besitzer der
Abschreibvorlage oder dem Besitzer der Tabulatur?
Ob der erste Chor bei Gitarrentypen doppelt oder einfach
besaitet war, ist ebenfalls offen. Wirbel und Steg lassen
normalerweise eine Doppelbesaitung zu.
3. Falls in einer Quelle eine historische Bezeichnung
der verwendeten Stimmung vorkommt, wird diese in
Klammern dahinter notiert.
Vorbemerkung zur Tonartendarstellung:
Die Stimmanweisungen zu den Accords nouveaux beinhalten
normalerweise nur relative Angaben und keine absoluten
Tonhöhen. Deshalb stehen die Tonartangaben in eckigen
Klammern. Um einen Vergleich zu ermöglichen, wird auch
dort, wo abweichende exakte Tonhöhenangaben vorliegen, die
Stimmung des 6.Chores in A vorausgesetzt.
Im Accord dedfe [dccb] als Variante von
Accord dedff [cccb und andere
Bass-Stimmungen] wird der 6. Chor auf B, im Accord
dedfg [bcbe und andere Bass-Stimmungen] –
ebenfalls eine Variante von Accord dedff [cccb und
andere Bass-Stimmungen] – auf As gestimmt.
Accord defde [dccb] ist mindestens später
eine weit verbreitete Variante des "nouvel accord
ordinaire" (d-Moll-Stimmung = dfedf [cccb und
andere Bass-Stimmungen]).
Bei Accord ccbmd [ccbcc] liegt ein
Sonderfall vor, bei dem die Orientierung an den Bässen
sinnvoll ist.
Hinter den Sigla kann ein Buchstabe stehen, der die
Inhaltsschicht bezeichnet.
Feldbeschreibung der
Stimmungsdatenbank:
Grundsätzlich erhält jede Stimmung für jedes Instrument
einen eigenen Datensatz. Wenn Stimmungen auch bei anderen
Instrumenten vorkommen, ist die Stimmung auch in einem oder
mehreren der Felder "Luth / Viole / Guitare / Mandore"
eingetragen.
1. Systematischer Teil:
Tab > 5 ch[oeurs]: Stimungsangabe für ein
Instrument mit mehr als 5 Chören. Die sechs Hauptchöre
werden am Stück in der oben erläuterten
unisono-Schreibweise von der höchstklingenden Saite her –
hier Gambe/Lyra viol und Lauten – notiert (bei der Stimmung
für 7-saitige Gambe alle sieben Saiten). Die Bässe der
Lauteninstrumente werden in eckigen Klammern notiert
nachgestellt, sofern es sich um diatonisch gestimmte und /
oder kaum gegriffene Bässe handelt. Ist der Bass-Bereich
einer Stimmung noch nicht weiter untersucht, steht nur eine
offene eckige Klammer da (siehe auch Lt Chöre).
Tab 1er-5e: Stimungsangabe für ein
Instrument mit 5 Hauptchören (also ohne Bässe) in der oben
erläuterten unisono-Schreibweise von der höchstklingenden
Saite her – hier Barockgitarre und 5-chörige Mandore
Tab 1er-4e: Stimungsangabe für ein
Instrument mit 4 Hauptchören (also ohne Bässe) in der oben
erläuterten unisono-Schreibweise von der höchstklingenden
Saite her – hier 4-chörige Mandore
Luth / Viole / Guitare / Mandore: Hier ist
die Stimmung bei demjenigen Instrument eingetragen, auf
welchem sie in Gebrauch war. Falls eine Stimmung für ein
6-chöriges Instrument auf einem 5-chörigen Instrument
(resp. 5- zu 4-chörig) gefunden werden kann, wird die
Stimmung mit Angabe eines Strichs für den weggelassenen Ton
angegeben.
Lt Chöre: Ein unbestrittener Vorteil der
Stimmungsangaben, die F.P.Goy in seiner Abhandlung
ursprünglich gegeben hat, besteht in der differenzierten
Darstellung der Basschöre: Es ist sowohl die Stimmung wie
auch die Anzahl Chöre und somit der Instrumententyp
ersichtlich. Das jetzt verwendete System mit den
(diatonischen) Bässen in eckigen Klammern ist neu. Somit
müssen alle Quellen, die in der Arbeit von Goy NICHT
erfasst sind, auf dieses System adaptiert werden. Im Moment
sind noch nicht alle Quellen, die in der Abhandlung von
F.-P. Goy NICHT vorkommen, ausgewertet, so dass die
Bäss-Saiten noch nicht für alle Stimmungen exakt bestimmt
sind. Deshalb steht manchmal im Feld "Lt Chöre" "22" um
anzudeuten, dass diese Quellen noch nicht auf Stimmung und
Anzahl Basschöre hin untersucht sind.
Typ Viole / Typ Mandore: Hier wird der Typ
des Instruments genauer beschrieben.
Somme: Umfang der Stimmung in Halbtönen (nur Chöre
1-6!)
Ambitus: Umfang der Stimmung in Intervallen. Es
wird die deutsche Bezeichnung verwendet:
ü = übermäsig
g = gross
k = klein
v = vermindert
6=F/Ges/G...: Stimmung, wenn der 6.Chor
auf den entsprechenden Ton gestimmt ist.
2. Lautenteil:
Goy: Stimmungsnummer nach Zählung von F.-P.Goy in
dessen Abhandlung
Radke: Stimmungsnummer gemäss Radkes
Aufsatz "Beiträge zur Erforschung der Lautentabulaturen des
16. - 18. Jahrhunderts" in: Die Musikforschung XVI (1963),
S. 34-51, speziell S. 41-42
Rave: Stimmungsnummer gemäss Rave, Wallace
John: Some Manuscripts of French Lute Music 1630-1700: An
Introductory Study, UMI 1972
Schulze-Kurz: Stimmungsnummer gemäss
dessen Buch "Die Laute und ihre Stimmungen in der ersten
Hälfte des 17. Jahrhunderts", Wilsingen, Tre Fontane, 1990,
speziell S. 140-142
Goy 6e choeur / Radke 6e choeur / Rave 6e choeur /
Schulze 6e choeur: Tonhöhe des 6. Chores, wie sie
vom jeweiligen Autor vorgeschlagen wurde
Tonalités Goy: Tonarten, in denen Stücke
überliefert sind, wobei sich die Tonart jeweils von der von
F.-P.Goy angenommenen Tonhöhe des 6. Chores ableitet.
3. Restliche Felder
Nom luth / Nom viole / Nom guitare / Nom mandore:
Zeitgenössische Bezeichnungen der Stimmung, wenn möglich
mit genauer bibliographischer Angabe.
Sources luth / Sources viole / Sources guitare /
Sources mandore: Möglichst komplette Auflistung
der Quellen, in denen eine Stimmung auftaucht. Wir
verweisen aber ausdrücklich auf die Datenbank PAN, sobald
ein Sigel mit einer Nummer beginnt. Die allenfalls
vorhandene nachgestellte Bezeichnung SK-nn bezieht sich auf
das Buch von Schulze-Kurz und wird da verwendet, wo eine
Quelle nicht von F.-P. Goy beschrieben ist (in seiner
Abhandlung oder später auf dieser Homepage).
Downloads
der diversen Stimungsdatenbanken:
ALLE STIMMUNGEN (1 Blatt pro
Stimmung und Instrument; sortiert nach
Stimmungsdarstellung)
Kurzfassung alle Stimmungen
STIMMUNGEN LAUTE (1 Blatt pro
Stimmung; sortiert nach Stimmungsdarstellung)
Stimmungen Laute Übersicht: nach Stimmungsdarstellung; nach
Goy; nach
Radke; nach
Rave; nach
Schulze-Kurz
STIMMUNGEN VIOLE (1 Blatt pro
Stimmung; sortiert nach Stimmungsdarstellung)
Stimmungen Lyra viol Übersicht: nach Traficante;
nach Comprehensive
list; nach Stimmungsdarstellung
STIMMUNGEN GITARRE (1 Blatt pro
Stimmung; sortiert nach Stimmungsdarstellung)
Stimmungen Gitarre Übersicht: nach Stimmungsdarstellung
STIMMUNGEN MANDORE (1 Blatt pro
Stimmung; sortiert nach Stimmungsdarstellung)
Stimmungen Mandore Übersicht: nach Stimmungsdarstellung
Die
Lautenstimmungen der Accords nouveaux (gemäss Definition in
der Abhandlung von F.-P. Goy) werden auf der Seite "Accords
Darstellung" ausführlich erläutert.
Eine Zusammenfassung auf zwei Seiten kann hier
heruntergeladen werden.
ACCORDS GOY
Hier kann eine Liste heruntergeladen werden, die zeigt,
welche Stimmung in welcher Lautenquelle mit wievielen
Stücken vertreten ist. Die Liste umfasst mehrere Seiten und
muss zusammengeklebt werden. Stand: 26.12.2008, basierend
auf der Datenbank vom 2.12.2008.
LAUTENQUELLEN&STIMMUNGEN